Tritt ein Ereignis wie das von La Salette ein, muss zunächst seine Echtheit überprüft werden. Dies zu vergessen, hiesse, sich vielen darauffolgenden Irrtümern auszusetzen. Folgende Frage stellt sich zuerst: Sind die Zeugen, Maximin und Melanie, glaubwürdig? Nicht nur auf vage und allgemeine Weise, sondern direkt in Bezug auf dieses Ereignis. Die offiziellen und sonstigen Untersuchungsbeauftragten befragten sich lange Zeit über die Zeugnisse der beiden Kinder. Die Schlussfolgerung lässt sich in einigen Worten zusammenfassen: Die beiden Hirten waren weder Betrüger noch Betrogene. Selbst wenn sie hätten betrügen wollen, wären sie nicht in der Lage gewesen, eine solche Geschichte und ihre zahlreichen Verwicklungen zu erfinden, da sie nicht die zu ihrer Ausarbeitung erforderlichen Elemente besassen.

Zudem kannten sich Maximin und Melanie erst seit dem Vortag, wobei sie einen sehr unterschiedlichen Charakter hatten. Der Junge war lebhaft und gesprächig, das Mädchen verschlossen und schweigsam. Die Übereinstimmung ihrer Zeugnisse ist umso beeindruckender. Ist die Echtheit des Ereignisses einmal festgestellt, stellt sich eine zweite Frage, nämlich die der Übereinstimmung mit dem Glauben der Kirche. Man kann nicht irgend etwas glauben, man kann auch nicht irgendwie glauben. "Prüft die Geister, ob sie aus Gott sind; denn viele falsche Propheten sind in die Welt hinausgezogen." (1 Joh 4,1). Maria lehrt in La Salette nichts Neues. Sie kommt, um die Anwesenheit der Kraft des Heils, die in Jesus Christus liegt, in unserer Welt und unserem Leben zu bezeugen. Sie bittet uns unter Tränen, darauf aufmerksam zu werden. Das ist die Grundlage ihres Handelns. Aus diesem Grund können wir "die Erscheinung berechtigterweise als unzweifelhaft und sicher ansehen".
Deshalb, und nur deshalb, können wir die Kriterien des Evangeliums anwenden: "Ihr erkennt den Baum an seinen Früchten." Seit anderthalb Jahrhunderten vermehren sich die Früchte der Bekehrung überall, wo das Ereignis von La Salette verkündet wurde. Fügen wir jedoch noch zwei Bemerkungen an: Diese Überprüfung hat nur einen Wert, wenn auf die erste Frage geantwortet worden ist, dass das Wichtigste die Verbindung zwischen dem Ereignis von La Salette und dem Heil oder der Bekehrung ist. Besteht diese Verbindung, kann man in dem Geschehen eine besondere Gnade innerhalb der gesamten Wahrheit zuerkennen. Zweite Bemerkung: Diese Gnade führt uns zur Entdeckung Christi, der in unserem Leben gegenwärtig ist, uns vom Bösen befreit, unsere Herzen für das Unglück der Welt öffnet, uns in das Handeln und Beten der Kirche einfügt durch Mittel, die in unserer Reichweite liegen: das Gebet, die aufrichtige Teilnahme an der Eucharistie und die Fastenzeit. Auf diesem Weg begleitet uns die aufmerksame Hilfe derjenigen, die er uns als Mutter im Glauben gegeben hat. Die Gnade von La Salette führt uns, alle, denen sie widerfährt, zurück zu den Grundlagen des Glaubens. Es wäre gefährlich, ein so wirksames Mittel zu vernachlässigen. Auf der Brust der Schönen Dame leuchtet der gekreuzigte Jesus im Lichte der Auferstehung. Er ist der Keim, das Wachstum und die vollkommene Vollendung des Glaubens, das Abbild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene der ganzen Schöpfung. Wenn wir anerkennen, dass er unser Gott ist, werden wir zu "seinem Volk".